April 3, 2010

Neandertaler – ETB 33/2006

Posted in 2006, Biologie, Geschichte um 23:13 von bleiglass

1856 wurden im Neandertal bei Düsseldorf urzeitliche menschliche Skelettreste gefunden, die später einer ganzen Menschenart den Namen geben sollten: Neandertaler. Der weltberühmte Fund trug im 19. Jahrhundert ganz entscheidend zur Anerkennung der Evolutionstheorie bei und erschütterte das abendländische Weltbild zutiefst. Der Neandertaler war der erste Kronzeuge der Evolutionstheorie.

Neandertaler lebten vor 130.000 bis 30.000 Jahren vornehmlich in Europa und waren als Verwandte des Menschen angepasst an die klimatischen Verhältnisse der letzten Eiszeit. Der Namen gebende Fund aus dem Neandertal ist etwa 40.000 Jahre alt. Dieser Neandertaler starb als alter Mann und wurde in der Feldhofer Grotte bestattet.

Entdeckt wurde er zufällig: Zur Vorbereitung von Sprengungen für den Kalkabbau entfernten Steinbrucharbeiter im August 1856 die Lehmfüllung der Feldhofer Grotte und bemerkten dabei einige Knochen. Diese übergaben sie wenig später an Johann Carl Fuhlrott, der als Fossiliensucher bekannt war. Er erfasste sogleich die Bedeutung des Fundes: Die Knochen mussten zu einer ausgestorbenen Menschenform gehören. Diese Erkenntnis setzte sich aber erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts endgültig durch.

Das Neandertal, das noch vor 1850 als wildromantische Schlucht bekannt war, wurde in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts durch den Kalkabbau völlig zerstört, die Fundstelle der berühmten Skelettreste war verschollen. Daher galt es als Sensation, als Archäologen 1997 und 2000 in der planierten Fläche am Fuß des ehemaligen Steinbruchgeländes Schichten jenes Lehms entdeckten, der einst die Höhle gefüllt hatte.

Das Sonderpostwertzeichen trägt dazu bei, das Bewusstsein über die herausragende Bedeutung des Neandertalers als zentraler Bestandteil unseres europäischen Kulturerbes weiter zu stärken.

Quelle: Deutsche Post

Anlass: 150 Jahre Entdeckung des Neandertalers
Ausgabetag: 10. August 2006 (ETB 33/2006)
Entwurf des Wertzeichens und des Ersttagsstempels: Annegret Ehmke, München
Druck: Mehrfarben-Offsetdruck der Giesecke& Devrient GmbH, Werk Wertpapierdruckerei, Leipzig
Größe des Wertzeichens: 46,00 mm x 27,32 mm

Tutti Frutti – ETB 2/2010

Posted in 2010, Biologie um 23:06 von bleiglass

Die Wohlfahrtsmarken mit einem zusätzlichen Centbetrag werden seit 60 Jahren zugunsten der Freien Wohlfahrtspflege herausgegeben. Empfänger der Pluserlöse ist die Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege e.V. Die in ihr zusammengeschlossenen Organisationen helfen überall dort, wo staatliche Hilfe nicht ausreicht.

2010 zeigen die Wohlfahrtsmarken die Obstarten Apfel, Erdbeere, Zitrone und Heidelbeere. Einheimische wie ausländische Obstarten sind heute Grundnahrungsmittel, die durch ihren Gehalt an Vitaminen und Mineralstoffen sowie ihre geschmacklichen Vorzüge wertvolle Nahrungsgüter darstellen. Jede Obstart hat ihre eigene Geschichte, die mitunter bis zu 10.000 Jahre zurückreicht und mit früheren Kulturepochen der Menschheit eng verbunden ist.

Der Apfel als Nahrungsmittel ist etwa seit 10.000 Jahren bekannt. Der Markt wird heute weltweit von wenigen Sorten dominiert, unter denen bekannte alte Sorten, wie „Gravensteiner“, „Cox Orangen“, „Granny Smith“ oder „Boskoop“ zu finden sind.

Etwa seit dem 14. Jahrhundert wurden in Europa wild wachsende Erdbeeren kultiviert, die weder geschmacklich noch ertraglich befriedigten. 1623 kamen die Scharlacherdbeere und 1712 die Chileerdbeere nach Europa. Diese Wildarten überzeugten ebenso wenig, bis im 18. Jahrhundert durch zufällige Kreuzungen aus beiden Wildformen die heutige Gartenerdbeere ausgelesen wurde. Bis heute wurden über 1000 Sorten gezüchtet.

Die Zitrone wurde bereits vor 4.000 Jahren in China angebaut. Vermutlich durch die Araber gelangte sie im 10. Jahrhundert aus Nordwestindien in den östlichen Mittelmeerraum. Derzeit existieren zahlreiche Citrus-Formen in verschiedenen Sorten, die alle frostempfindlich sind. Hauptanbaugebiete sind Südeuropa, Kalifornien und Nordafrika.

Heidelbeeren werden heute hauptsächlich als Wildvorkommen beerntet, da diese geschmacklich den im letzten Jahrhundert vor allem in den USA gezüchteten Hochbusch-Heidelbeeren überlegen sind.

Quelle: Deutsche Post

Anlass: Obst
Ausgabetag: 2. Januar 2010 (ETB 2/2010)
Entwurf der Wertzeichen und der Ersttagsstempel: Karen Scholz, Bad Essen
Druck: Mehrfarben-Offsetdruck der Bundesdruckerei GmbH, Berlin
Größe der Wertzeichen: 55,0×32,8 mm

März 14, 2010

Der Frauenschuh – ETB 1/2010

Posted in 2010, Biologie tagged , , um 10:01 von bleiglass

In dieser neuen Serie möchte ich einen alten Freund vorstellen, das Ersttagsblatt, kurz auch „ETB“ genannt. Dies ist ein von der Post ausgegebenes und vertriebenes Blatt, versehen mit einer Briefmarke, die einen Ersttagsstempel trägt. Die Briefmarke wurde also am ersten Gültigkeitstag abgestempelt. Interessant sind neben dem Motivdesign auch die Motivbeschreibungen und technische Angaben üblich.

In einer Welt dominiert von emails und online Frankierverfahren, bei denen die „Briefmarke“ zum 3D Bar Code degenerierte, sollten wir nicht die oft künstlerisch wertvolle Briefmarke vergessen, denn sie enthält viel unseres Wissens und Geschichte.

Die Allgemeinbildung sinkt, Pisa Studien malen ein düsteres Bild, vielleicht sollte sich jeder mal die Zeit nehmen zu einem Ersttagsblatt zu greifen, die Marke bewundern und die Motivbeschreibung durchlesen.

Dazu muss man kein Philatelist sein, braucht keine einzige Briefmarke zu sammeln oder gar ihren Wert kennen. Ich tue dies immer wieder gerne mit den handlichen Ersttagsblaettern, auch wenn ich leider viele Details zu schnell wieder vergesse.

Hier gehts los, mit dem ETB 1/2010:

ETB 1/2010

Die Serie „Blumen“ will die Menschen mit modernen und zeitlosen Motiven auf die Schönheit und Vielfalt der Blumen in Gärten und freier Natur in Deutschland aufmerksam machen. Die farbenfrohen und stimmungsvollen Darstellungen sollen dazu beitragen, die kleinen Freuden des Alltags wieder neu zu entdecken.

Zu den größten Kostbarkeiten unserer heimischen Pflanzenwelt zählt der Frauenschuh (Cypripedium calceolus), eine äußerst attraktive und stark gefährdete Orchideenart. Der berühmte Naturforscher Carl von Linne (1707-1 778) benannte diese Pflanze nach der Liebesgöttin Aphrodite, die auch den Beinamen Kypris trug. Der Name Cypripedium leitet sich von griechisch „Kypris“ = Beiname der Aphrodite und „pedilon“ = Schuh ab.

Die Pflanze ist zwischen 20 und 50 Zentimeter hoch und trägt breit-elliptische, geriefte Blätter. Die Blüten erscheinen im Mai und tragen eine pantoffelartig aufgeblasene zitronengelbe, purpur-punktierte Unterlippe, die von innen kreuzförmig gestellten, kastanienfarbenen Blütenblättern umgeben ist und eine raffinierte Kesselfalle für Insekten darstellt.

Ein aprikosenähnlicher Duft und die gelbe Unterlippe locken vorwiegend Sandbienen an, die über die glattwandige Öffnung des Pantoffels in die Blüte hineinfallen. Dort gefangen ernähren sie sich von den zuckerhaltigen Futterhaaren. Die Flucht aus der Blütenfalle gelingt nur über zwei enge, versteckt liegende Durchgänge, die unter den Staubgefäßen liegen. Dort muss sich die Biene an der Narbe hindurchquetschen, streift die Pollen ab und neuer Pollen heftet sich an ihren Rücken.

Der Frauenschuh bevorzugt lichte Laubwälder, insbesondere Buchenwälder mit meist kalkhaltigen, modrig-humosen Böden. Durch Pflücken der Blüten, Ausgraben des Wurzelstocks durch Pflanzenliebhaber und Aufforstungen der Wuchsorte mit Nadelhölzern ist er sehr selten und steht unter strengem Naturschutz.

Inder Homöopathie findet die Frauenschuhwurzel als baldrianähnliches Beruhigungs- und Einschlafmittel Verwendung.

Quelle: Deutsche Post

Ausgabetag: 2. Januar 2010
Entwurf des Wertzeichens und der Ersttagsstempel: Stefan Klein und Olaf Neumann, Iserlohn
Druck: Mehrfarben-Offsetdruck der Bundesdruckerei GmbH, Berlin
Größe des Wertzeichens: 21,50mmx30,13mm

Hier könnt ihr euer eigenes Ersttagsblatt bestellen