März 22, 2010

Industrie und Technik – ETB 14/1975

Posted in 1975, Industrie & Technik tagged , , um 03:00 von bleiglass

Vor 35 Jahren, startete die Deutsche Post eine neue Dauerserie, Industrie und Technik. Bemerkenswert sind fuer mich 2 Fakten: zum einen wird bereits die spätere Space-Shuttle als Motiv gewählt, und noch verschwommen „Orbiter“ genannt. Man bedenke, dass erst 7 Jahre später, also in 1982. Das Spacelab flog erstmals 1983 auf der Mission STS-9 und wurde bis zu seiner Außerdienststellung 1998 insgesamt 22 Mal eingesetzt.

Der 2te Fakt ist eher eine Enttäuschung: moderne Technologien sind der Post zu dieser Zeit nur 90 Pfennig wert, der alte Braunkohle-Förderbagger aber 100 Pfennig. Damals lagen die Prioritäten eben noch etwas anders, und die Wortschöpfung „Carbon-Footprint“ noch nicht erfunden. Immerhin ist die Zukunft’s-Marken grün und rot, die andere passend braun.

40 Pfennig: Raumtransporter mit Weltraumlabor (Orbiter mit Spacelab)
Zu sehen ist das Weltraumlabor (Spacelab) im Einsatz zwischen den geöffneten Ladeluken des Raumtransporters.
In der Mitte erkennt man das eigentliche Labor, das durch den Tunnel betreten und verlassen wird. In dem Labor herrschen Schwerelosigkeit, aber sonst Lebensbedingungen wie auf der Erde.
Die im unteren Teil erkennbaren sogenannten Paletten sind direkt dem Weltraum ausgesetzt und für Experimente zur Beobachtung des Himmels und der Erde vorgesehen.
Das Weltraumlabor ist ein cooperatives Programm zwischen der European Space Research Organization (ESRO) und der National Aeronautics and Space Administration (NASA).
Es ist ein bemanntes wiederverwendbares Labor und bleibt während des Einsatzes mit dem Orbiter, der Raumfähre, fest verbunden. Es ist reiner Arbeitsraum, während die Besatzung von bis zu 4 Personen ihre Wirtschafts- und Schlafräume im Orbiter hat. Die Missionsdauer beträgt 7 bis 30 Tage. Das Weltraumlabor bietet die Möglichkeit vieler verschiedener Nutzlasten und Experimente.

50 Pfennig: Erdefunkstelle Raisting
Raisting ist ein kleiner idyllischer Ort in Oberbayern und der Endpunkt einer der modernsten Funkbrücken für den interkontinentalen Fernmeldedienst. Riesige Parabol-Antennen sind auf den Himmel gerichtet. Automatisch gesteuert, können sie den Positionsschwankungen des Synchronsatelliten folgen. Sie empfangen und verstärken das außerordentlich schwache Empfangssignal, leiten es in das terrestrische Richtfunk- und Kabelnetz und damit zum Empfänger. Die Antwort kommt auf demselben Weg zurück, und ein starker Sender strahlt sie zum Satelliten ab. Senden und Empfangen über dieselbe Antenne, aber bei verschieden hohen Frequenzen mit vielen Gegenstationen.
Die Erdefunkstelle Raisting, mit der sich die Deutsche Bundespost bereits 1963 an den ersten Übertragungsversuchen beteiligt hat, verfügt heute über 4 Antennen-Anlagen: Antenne 1 für die Region Indischer Ozean, Antenne 2 und Antenne 3 für den Transatlantik-Verkehr und eine weitere Antenne für das deutsch-französische Gemeinschafts-Satellitenprojekt „Symphonie“.

100 Pfennig: Braunkohlen-Förderbagger
Das dargestellte Schaufelrad ist so hoch wie ein vierstöckiges Wohnhaus. Es gehört zu einem Schaufelradbagger mit einer arbeitstäglichen Leistung von 100000 Festkubikmeter, wie sie in dem 2500 qkm großen rheinischen Braunkohlenrevier im Städtedreieck Köln—Aachen—Düsseldorf zur Förderung der Primärenergie Braunkohle eingesetzt sind. Bei diesen Schaufelradbaggern – 7600t schwer, 200 m lang und 70 m hoch – handelt es sich um die größten Förderanlagen der Erde, von denen jeder für sich in der Lage ist, an einem einzigen Tag die Arbeit von 20 000 Menschen zu verrichten. Oder anders: Würde man das an einem einzigen Tag von einem Gerät bewegte Abraummaterial auf einem Fußballfeld aufschichten, ergäbe das einen 10 m hohen Hügel. Die Bedienungsmannschaft besteht aus 5 Personen.

Quelle: Deutsche Post

Anlass: Eine neue Postwertzeichen-Dauerserie mit Darstellungen aus Industrie und Technik löst die Postwertzeichen-Dauerserie „Bundespräsident Heinemann“ ab.
Entwurf: Beat Knoblauch (Beratung für graphische Technik: Paul Beer).
Stecher: 40 und 50 Pfennig: Egon Falz, 100 Pfennig: Manfred Spiegel, beide Bundesdruckerei Berlin
Druck: Stichtiefdruck der Bundesdruckerei Berlin
Größe: 23 x 27,32 mm
Auflagen: Nach Bedarf
Ausgabetag: 15. Mai 1975
Ersttagsstempel: Der Entwurf stammt von Beat Knoblauch.

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März 18, 2010

Die Belagerung von Neuss – ETB 11/1975

Posted in 1975 tagged , , um 23:49 von bleiglass

Die Sonderbriefmarke erinnert an ein Ereignis in der deutschen und rheinischen Geschichte von europäischer, übernationaler Bedeutung: An die vergebliche Belagerung der Stadt Neuss durch Herzog Karl den Kühnen von Burgund von Juli 1474 bis Juni 1475 und an die daraus entstandenen weittragenden Folgen für die staatliche und politische Konstellation in Europa.

Ausgangspunkt waren die Bestrebungen der Herzöge von Burgund, auf Kosten des Deutschen Reiches und Frankreichs zwischen Nordsee und Alpen ein großburgundisches Reich zu errichten. Karl der Kühne — bei den Franzosen le Temeraire, bei den Holländern de Stout genannt — beherrschte bereits die Gebiete bis hinauf nach Holland, Seeland und Flandern und strebte nach der deutschen Kaiserkrone. Ein Verfassungskonflikt im Kurfürstentum Köln gab ihm willkommene Gelegenheit, mit der bestgerüsteten Militärmacht seiner Zeit, der Ritter und Söldner aus aller Herren Länder angehörten, in den Kurstaat einzufallen. Erstes Opfer sollte die Stadt Neuss sein, die nach Köln stärkste Festung am Niederrhein.

Die Stadt widersetzte sich elf Monate lang erfolgreich allen Stürmen und gab damit das Zeichen zu einer reichsumfassenden Aktion gegen den Herzog von Burgund, in dessen Lager vor Neuss Fürsten und Gesandte aus ganz Europa die Entwicklung beobachteten. Fürsten und Städte im Reich zwischen Lübeck und den schweizerischen und elsässischen Städten sandten ihre Kontingente zum Reichsheer, das unter der Führung Kaiser Friedrichs III. und des Markgrafen Albrecht Achilles von Brandenburg Neuss im Mai 1475 entsetzte und Karl den Kühnen zum Abzug zwang.

Zu den Bedingungen des Friedensschlusses, der der Stadt für die »größte rheinische Heldentat«, wie der Historiker sie nennt, für die damalige Zeit wichtige politische und wirtschaftliche Privilegien einbrachten, zählte als wichtigste Vereinbarung die Zustimmung Karls von Burgund zur Vermählung seiner Tochter Maria mit dem Kaisersohn Maximilian (-Der letzte Ritter«).

Auf diese Weise gelangte nach dem Tode Karls in der Schlacht bei Nancy (1477) die reiche burgundische Erbschaft in den Niederlanden und am Oberrhein an das Haus Habsbug, das seitdem zur europäischen Großmacht und zur Weltmacht aufstieg bis zu Kaiser Karl V., in dessen Reich die Sonne nicht unterging.

Hätte die Stadt Neuss damals nicht dem Herzog von Burgund widerstanden, hätte die Geschichte Europas einen anderen Weg genommen. Für das Rheinland bedeutete die Entscheidung von Neuss die weitere Zugehörigkeit zum Deutschen Reiche, für die Städte und Bürger war sie ein Zeichen im Kampfe gegen unumschränkte Fürstenmacht, für Mitentscheidung und Mitverantwortung im Staate, für kommunale und ständische Freiheit.

Die Sondermarke zeigt eine Wiedergabe des Holzschnitts »Nuis« aus Conrad Pfettisheim, Geschichte Peter Hagenbachs und der Burgunderkriege, gedruckt 1477 zu Straßburg von Heinrich Knoblochtzer. Das Werk befindet sich in der fürstlich Fürstenbergischen Hofbibliothek Donaueschingen als Inkunabel 265.

Entwurf der Marke:    Prof. Carl Keidel
Stich:    Grafische Werkstätten der Bundesdruckerei Berlin
Druck:    Stichtiefdruck und Mehrfarben-Offsetdruck der Bundesdruckerei Berlin
Größe:    25,5 x 43 mm
Ausgabetag:    15. Mai 1975
Entwurf des Ersttagsstempels: Franz Steinmetz, das dargestellte Wappen der Stadt Neuss stammt aus dem
Jahr 1475

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Bedeutende Frauen – ETB 1/1975

Posted in 1975, Frauen tagged , , , um 03:01 von bleiglass

In einer Welt dominiert von emails und online Frankierverfahren, bei denen die „Briefmarke“ zum 3D Bar Code degenerierte, sollten wir nicht die oft künstlerisch wertvolle Briefmarke vergessen, denn sie enthält viel unseres Wissens und Geschichte.

Im Internationalen Jahr der Frau in 1975 stellt die Deutsche Bundespost vier bedeutende deutsche Schriftstellerinnen vor:

Annette Kolb, geboren am 2. Februar 1875 in München, gestorben am 3. Dezember 1967 in München, hat geistreiche Essays und Romane geschrieben, die geprägt sind vom Geist der humanistischen gebildeten europäischen Welt aus der Zeit vor 1914. Sie schrieb ferner Biographien und Übersetzungen. Ihr persönliches Anliegen war die Vermittlung zwischen deutscher und französischer Kultur. Sie emigrierte 1933 und kehrte 1945 aus den USA nach Paris zurück.

Ricarda Huch, am 18. Juli 1864 in Braunschweig geboren, starb am 17. November 1947 in Schönberg im Taunus. Sie war eine der Hauptvertreterinnen der neuromantischen Literatur in Lyrik und Prosa. Als Historikerin von Rang gab sie beschreibende Darstellungen historischer Ereignisse und Gestalten. Sie war eine leidenschaftliche Kämpferin für die geistigen und ethischen „Urphänomene“ der Menschheit.

Else Lasker-Schüler wurde am 11. Februar 1869 in Wuppertal-Elberfeld geboren und starb am 22. Januar 1945 in Jerusalem. Sie war expressionistische Lyrikerin. In ihrer Persönlichkeit vereinigten sich glühende Phantasie und leidenschaftliche Religiosität des Judentums mit der Liebe zur deutschen Kultur und Landschaft.

Gertrud Freiin von Le Fort wurde am 11. Oktober 1876 in Minden in Westfalen geboren und starb am I.November 1971 in Oberstdorf. Sie gestaltete religiöse und historische Themen, humanistische Lyrik und Zeitromane. Die Gnade der katholischen Kirche kehrt in immer neuer Form in ihren Werken wieder. Ihre Novellen deuten das Wesen der Frau.

Quelle: Deutsche Post

Motive: Die reproduzierten Kopfbilder der vier Frauen wurden von Prof. Aretz für die Briefmarkenentwürfe frei umgesetzt.

Ausgabetag:    15. Januar 1975
Entwürfe:    Professor Gerd Aretz
Druck:    Vierfarben-Offsetdruck und Stichtiefdruck der Bundesdruckerei Berlin
Größe:    27,5 x 32,8 mm

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